2. Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr Monheim

Am 29. und 30. September 2018 fand über knapp 28 Stunden hinweg der zweite Berufsfeuerwehrtag der Jugendfeuerwehr Monheim statt. 13 Mädchen und Jungen ahmten dabei eine 24-Stunden Schicht eines Berufsfeuerwehrlers nach.


Berufsfeuerwehren trifft man in deutschen Städten ab einer Einwohneranzahl von mindestens 100.000 Einwohnern an. Dort sind hauptamtliche Feuerwehrdienstleistende angestellt, die rund um die Uhr auf Bereitschaft in einer oder mehreren Wachen sind. Meist wird dort neben dem Feuerwehrdienst auch ein Teil des Rettungsdienstes oder der „First Responder“ gefahren. Neben den Einsätzen werden auch Übungen und Schulungen zu relevanten Themen im Einsatzgeschehen abgehalten. Genau so einen Ablauf hat unsere Jugend nun zum zweiten Mal erfolgreich absolviert.

Ähnlich wie beim letztjährigen Berufsfeuerwehrtag begann auch heuer der Dienstantritt für die Anwärter am Samstagvormittag (29. September 2018) um 09:30 Uhr. Nach einer kurzen organisatorischen Absprache wurde mit dem Check des Fuhrparks begonnen. Zuvor waren Teile der Fahrzeugbeladung entfernt worden, welche die Jugendlichen nun erkennen und melden sollten. Es dauerte nicht lange, bis sie alle fehlenden Geräte identifiziert und wieder an ihren Platz gebracht hatten. Da die Überprüfung der Fahrzeuge erledigt war, stand nun eine kurze Bewegungsfahrt auf dem Programm. Mit Hilfe von Maschinisten der aktiven Wehrmannschaft wurde mit dem LF 16/12 und dem HLF 20/16 eine Runde über Kölburg gedreht. Doch während dessen ging ein Alarm ein: „Ausgelöste Brandmeldeanlage!“

Der Einsatzort war das Feuerwehrhaus. Schon beim Antreten vor den Fahrzeugen war der typische Feueralarm zu hören. Da der Berufsfeuerwehrtag zwar dem realen Vorbild der hauptamtlichen Kräfte in Berufsfeuerwehren nachempfunden wird, nahm die Feuerwehr Monheim dies trotzdem zum Anlass, den Jugendlichen in Ruhe und detailliert die aktuelle Situation zu erklären. Über mögliche Gefahren und Vorgehensweisen wurde diskutiert und auf interessante bzw. wichtige Umstände hingewiesen. So übernahm bei diesem ersten Einsatz der 2. Kommandant der FF Monheim, Timo Gayr, die Erklärung und Vorgehensweise bei klassischen Einsätzen mit Brandmeldeanlagen. Mit Hilfe einer sog. „Laufkarte“ identifizierten die Anwärter den Raum, in dem die Rauchmelder ausgelöst hatten. Nach einer erneuten Erklärphase galt es den Raum zu entlüften, da das Feuer bereits von selbst wieder ausgegangen war. Da in einer der Jugendübungen das Thema Belüftung von verrauchten Räumen bereits behandelt wurde, wusste schon ein Großteil der Mannschaft, auf was man hierbei achten muss. Nach gut einer halben Stunde war der komplette Einsatz beendet.

Selbstgemachte Pizza am Mittag

Selbstgemachte Pizza am Mittag

Inzwischen war es kurz nach elf Uhr und das Mittagessen stand auf dem Plan. Da auch die Selbstversorgung in Berufsfeuerwehren eine Rolle spielt, mussten die Jugendlichen dieses Mal für eine Pizza einkaufen, die anschließend selbst zubereitet wurde. Da glücklicherweise direkt neben dem Feuerwehrhaus Filialen zweier großer Supermarktketten angesiedelt sind, konnten ohne große Mühe alle vorher beschlossenen Zutaten beschafft werden. Insgesamt entstanden fünf Bleche mit unterschiedlichen Belegungen, da jeder seine Teile der Pizza selbst belegen durfte. Da es im Feuerwehrhaus nur einen Ofen gibt, musste in Etappen gegessen werden. Doch nichts desto trotz waren sich alle einig: Es war richtig lecker!

Gegen 13:30 Uhr ging der nächste Alarm ein: Einklemmte Person unter Betonrohr. Mit dem LF 16/12 und dem HLF 20/16 wurde zum Einsatzort auf das Gelände der Fa. Hillemeir gefahren. Dort lag eine Person (in diesem Fall die Dummy-Puppe) unter einem gut vier Tonnen schweren Betonklotz. Das Heben von Lasten war ebenfalls Thema in einer der letzten Übungen, daher war auch hier das Vorgehen relativ gut bekannt. Zu Beginn wurden die verschiedenen Möglichkeiten durchgegangen, wie die Person befreit werden könnte. Schließlich einigte man sich auf einen Versuch mit Hebekissen. Die Maschinisten der aktiven Mannschaft unterstützten dabei die Jugendlichen. Gemeinsam wurden Ansetzpunkte und die Schritte besprochen, die im weiteren Verlauf notwendig sein werden. Mit koordinierten Kommandos gab einer aus der Jugendfeuerwehr die Kommandos, während wiederum andere Jugendliche mit Rüstholz unterbauten. Gemeinsam gelang es schließlich die verletzte Person mit Hilfe des Spineboards zu befreien und dem Rettungsdienst zu übergeben. Da anschließend noch etwas Zeit war, wurde den Jugendlichen noch die Büffelwinde als Alternativmöglichkeit für das Anheben von Lasten gezeigt –  ein für sie völlig neues Gerät. Nach knapp zwei Stunden konnte wieder ins Feuerwehrhaus eingerückt werden.

Mit Hilfe von Hebekissen versuchen die Jugendlichen die eingeklemmte Person zu befreien

Mit Hilfe von Hebekissen versuchen die Jugendlichen die eingeklemmte Person zu befreien

An dieser Stelle muss auch nochmal erwähnt werden, dass die Sicherheit immer an oberster Stelle steht. Es waren zu jederzeit erfahrene Kameraden der aktiven Wehrmannschaft vor Ort, die unterstützt und Tipps zum Vorgehen gegeben haben und auch im Fall der Fälle hätten eingreifen können. Jederzeit wurde darauf geachtet, dass den Jugendlichen nichts passieren kann. Daher wurde auch bei diesem nicht ungefährlichen Einsatz auf sämtliche Gefahrenquellen hingewiesen und Grundsätze für die eigene Sicherheit erläutert.

Mit Hilfe von Leitern mussten Katzen aus Bäumen gerettet werden

Mit Hilfe von Leitern mussten Katzen aus Bäumen gerettet werden

Nachmittags war dann etwas Freizeit angesagt und das Nachtlager wurde im Schulungsraum aufgebaut. Dazu wurden wieder die Feldbetten genutzt, welche die Jugendlichen bereits vom jährlichen Feuerwehrzeltlager her kannten. Eine kurze Schulungseinheit über den Digitalfunk und die korrekte Handhabung der Funkgeräte wurde eingeschoben. Dann der nächste Alarm: Katzen auf Bäumen. Eigentlich eher selten, aber für viele ein Klassiker als Feuerwehreinsatz. Dazu wurden auf dem Gelände einer Monheimer Firma auf drei unterschiedlichen Bäumen Sandsäcke als Katzen „verkleidet“, die von alleine nicht mehr herunter kamen. Hintergrund war dabei die Koordination der Mädchen und Jungen untereinander sowie der Einsatz von Leitern. Je drei Gruppen durften eine „Katze“ von den drei Bäumen retten.

Am Abend stand Grillen auf dem Programm. Bei Kraut- und Kartoffelsalat, Tomaten, Zwiebeln, Steaks und Bratwürsten ließen es sich die Feuerwehranwärter schmecken.

Als es schon langsam richtig Dunkel wurde, war die Jugendfeuerwehr wieder gefordert: Eine hilfsbedürftige Person war nach einem Fußballspiel vermisst worden. Zuletzt wurde sie direkt am Rand des Sportplatzes gesehen und sie kenne angeblich den Weg nach Monheim, so die Mitteilung der Leitstelle. Mit dem LF 16/12, HLF 20/16, MZF und dem GW-L2 (der in diesem Fall als Rettungswagen diente) machten sie sich zum Monheimer Sportplatz auf. Leider traf man die Person, die den Notruf abgesetzt hatte, nicht an. So wurde beschlossen, mit Funkgerät und Taschenlampe die möglichen Wege Richtung Monheim abzulaufen. Plötzlich ein erneuter Funkspruch der Leitstelle. Die Anruferin hätte sich nochmal gemeldet. Anscheinend lag eine Verwechslung der Sportplätze vor: Nicht der Monheimer Sportplatz sei der Spielort gewesen, sondern der Flotzheimer Platz.

Da nun schon einige Zeit vergangen war und die vermisste Person den Weg nach Monheim kennen würde (ein Feldweg durch den Wald), wurde beschlossen, von Monheimer Richtung nach Flotzheim zu laufen und nach dem Vermissten zu suchen. Am neuen Industriegebiet wurde die Mannschaft aufgeteilt – und das Spiel begann von vorne. Mit Lampen und Funkgerät durchkämmten sie den Waldrand ringsum den Pfad zum Flotzheimer Sportplatz. Nach gut 20 Minuten dann der Funkspruch „Person gefunden!“. Sie lag nahe der Verbindungsstraße Flotzheim – Staatstraße 2214 in einer kleinen Bucht am Wegesrand im Wald. Bis der Rettungswagen eintraf, wurde die Person von den Jugendlichen erstversorgt. Mit Hilfe der Schaufeltrage wurde sie anschließend in den Rettungswagen transportiert. Der Einsatz war damit gegen 22:00 Uhr beendet.

Mit Knabberzeug und ein, zwei Filmen klang der erste Tag des zweiten Berufsfeuerwehrtags aus – ganz entspannt und glücklicherweise ohne weiteren Einsatz.

Am nächsten Morgen wurde gegen acht Uhr gefrühstückt und die ersten Aufräumarbeiten des Vorabends wurden durchgeführt. Gegen neun Uhr war wieder eine Schulung angesetzt. Da im diesjährigen Wissenstest das Thema Fahrzeugkunde anstand, gab es eine grobe Einführung in dieses doch etwas komplexere Themengebiet. Kurz darauf der nächste Einsatz: Unklare Rauchentwicklung in Hagenbuch. Kurz vor Eintreffen am Einsatzort kam dann jedoch die Abbestellung durch die Leitstelle. Es hätte sich lediglich um Gartenabfälle gehandelt, die verbrannt worden seien. Über die vor erst wenigen Stunden neu geöffnete B2 wurde wieder Richtung Feuerwehrhaus gefahren. Während der Fahrt ging allerdings ein neuer Einsatz ein: Schwerer Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person.

Ein PKW liegt auf der Seite. Darin ist eine Person eingeklemmt

Ein PKW liegt auf der Seite. Darin ist eine Person eingeklemmt

Befreiung der eingeschlossenen Person aus dem Autowrack

Befreiung der Person aus dem Autowrack

Auch hier stand wieder die Sicherheit an oberster Stelle. Mit fünf erfahrenen Mitgliedern der aktiven Wehrmannschaft wurden den Jugendlichen die aktuelle Situation erklärt und mögliche Vorgehensweisen erläutert. Neben der Ersten Hilfe stand das Stabilisieren des Fahrzeugs als erstes auf dem Plan. Den Jugendfeuerwehrlern wurde das System „StabFast“ vorgestellt, mit der sich in sehr kurzer Zeit Objekte wie auf der Seite liegende Autos stabilisieren lassen. Mit Hilfe des hydraulischen Rettungsaggregats wurde das Dach des PKWs an einer Seite aufgeschnitten und umgeklappt, damit die Person im Inneren aus dem Fahrzeug befreit werden konnte. Dabei wurde von den erwachsenen Kollegen jeder Schritt genau erklärt und kurz demonstriert, ehe es die Jugendlichen selbst probieren durften.

Mit Hilfe des bereits bekannten Spineboards retteten die Mädchen und Jungen anschließend die Person aus dem verunfallten PKW. Das geschah keine Sekunde zu spät, denn just nachdem die Person befreit war, entfachte ein kleines Feuer auf der Unterseite des Fahrzeugs. Da aber auch der Brandschutz bei einem Einsatz sichergestellt werden muss, dauerte es nur wenige Sekunden, bis der Trupp mit Hilfe des Schnellangriffs das kleine Feuer am Fahrzeugboden gelöscht hatte. Mit Hilfe der Wärmebildkamera überprüften sie, ob es keine weiteren heißen Stellen am Fahrzeug gab. Schließlich war damit auch dieser Einsatz erfolgreich beendet worden.

Ehe sich der zweite Berufsfeuerwehrtag dem Ende entgegen neigte, gab es nochmal ein ordentliches Mittagessen mit Leberkäse und Kartoffelsalat. Nach den letzten Aufräumarbeiten wurden die 13 Jugendlichen aus ihrem 24h-Dienst entlassen. An dieser Stelle auch nochmal ein großes Dankeschön an alle Helfer und Firmen, die diesen Tag erst möglich gemacht haben!

Neugierig geworden? Du bist 13 Jahre oder älter und willst Dir die Jugendfeuerwehr auch einmal ansehen? Dann komm doch ganz unverbindlich bei einem unserer nächsten Jugendübungen vorbei! Die Termine findest Du hier.